Stadtmanie

Juli 1, 2011

Absatzklappern. Menschenrufe. Autohupen. Die Luft steht still und surrt. Dynamische Gleiförmigkeit ist hier das bestimmende, paradoxe Element, das einzige Stück, das Anfang und Ende zu einer Brücke machen kann. Hektik; ich stehe auf dem Asphalt. Die Sonne strahlt aggressiv. Mein Kopf ist leer; nur wenn um mich das Chaos losbricht, wird es ruhig. Sinneseindrücke; Düfte, Rauch. Schallwellen dringen gewaltsam ans Ohr. Die Stadt ist immer ruhig, auch wenn sie verschwenderisch mit Leuchtreklamen und Flyern um sich wirft und die Gunst tausender, innen zumeist toter Leute zu erlangen. Die Menschen bewegen sich im Rhythmus, in verschiedenen Taktarten, aber letztlich alle als Teil einer übergrossen Kakophonie wie die Zwölftonmusik, vielleicht eines der grössten Kunstwerke der Menschheit, denn, dass man sich so einfach von sich selbst entfremden könnte, hätte doch kaum einer gedacht. Bei zu vielen Buchstaben wird man zum Analphabeten, je farbiger desto schneller, könnte man meinen. Traumfabrik ja, doch; emotionslose, gesteuerte Träume, Schienenträume, Fieberträume. Die Menschheit mit Technologie ist wie ein Alkoholiker mit einem Fass Wein? Die Menschheit in der Stadt ist wie ein Kind im Laufgitter. Fuck the Al Pacino posters und so weiter, ja, das hat irgendwie was. Ich hätte bisher nicht gedacht, dass die Stadt in einem so ambivalente Gefühle auslösen könnte, obwohl es doch schon tausend Mal geschrieben wurde. Wie jedes andere Wort. Einerseits geistig anregend wie ein Glas Wein und ein Buch, aber auch so unausstehlich wie einer dieser zu bunten Hollywoodfilme. Und dann betäubst du dich, dann ergibst du dich dir selber. Ein Moloch ist das. What sphinx of cement and aluminium bashed open their skulls and ate up their brains and imagination? Hat mal einer gesagt. Eine Kreatur ist es, ein Tiger mit faszinierendem Fell, von beeindruckender Stärke, majestätisch und stark. Aber hinterhältig, tödlich und rücksichtslos. Die Stadt ist ein Dschungel, auch das muss schon tausend Mal gesagt worden sein. Ich schreite doch nur auf ausgetretenen Pfaden herum, zweifellos, doch was ausser der Wahrheit soll ich schreiben? Hier sind Verzweiflung und Euphorie beinahe Zwillingsschwestern. Aber hey, the show must go on, oder so. Tonight I’ll fall, looking for something wonderful yet casual, extraordinarily temporal – and there you are: Let’s go – you hooked me on the dance floor, so here I am back for more. Let’s disco. Auf in neue bipolare Gefilde!

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