Namenlose Lyrik
Oktober 26, 2009
Interpretationen sind höchstens erwünscht
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Wir reden wirr
Von hohen Tauben
Und gelben Türmen
Die in der Ferne den
Himmel erstechen
Wie Speere
Gleichsam spitz und stumpf
Als Befreier allen Seins
Das verrenkte Licht
Erdrückt die Atmosphäre
Mit Totenstille und Höllenlärm
Und der Gesang des Vogels erklimmt
Die Stufe zum neuen Ast der Verklärung hin
Hinter Zinnen aus Öl und Feuer aus Flammen
Geläutert und gefoltert werden Worte
Und Buchstaben formen das Bewusste
Berauscht vom Nektar eiserner Früchte
Als Radiowellen gleich der Lichtgestalt
Die die Rampe betritt
Und springt in den Tod
Verschleiert und stumm das Nichts akzeptieren
Platon, Platttüden & Ethanolgetränke
Oktober 19, 2009
Fehler werden noch ausgebessert.
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Platon, Plattitüden & Ethanolgetränke
Ich bin Mensch. Vorrangig. Wie wir alle. Ich begehe Fehler, menschliche, wie wir alle.
Doch was Wertigkeit und Identifikation dieser angeht, kann ich wohl kaum für eine Gesamtheit sprechen. Wie auch?
Wir leben in einer Welt, in der Ockhams Rasiermesser nicht nur in der Wissenschaft gilt. Nein, es gilt für den Alltag, es beherrscht unser Denken. Wir suchen die einfachste Lösung, immer, ohne zu übersehen, dass diese Lösung eventuell nur zu einer schwachsinnigen Halbwahrheit führt.
So geschehen im Mittelalter. Die Erde ist eine Scheibe, kein Zweifel.
Aber der Mensch evolvierte in diesen kurzen Jahren, vom 17. Jahrhundert bis heute, zu einem superioren Wesen, gewissermassen dem Homo Conscius, dem bewussten Menschen.
Wir erheben uns über die Masse der dümmlichen Viecher, die unseren Planeten zuhauf bevölkern und stellen deren gütige Obrigkeit dar, als letzter Schluss Darwin’scher Evolution! Wir sind eine praktisch gottgleiche Entität geworden!
Wirklich?
Wohl kaum. Diese vermeintliche Epiphanie der Herrschaft hatten auch schon Menschen vor uns. Die Römer. Oder das mittelalterliche Europa. Und immer fand man schon Erklärungen, warum doch alles schief geht was schief gehen kann (-> Murphy’s Law). Im Mittelalter schob man die Schuld diskret dem gütigen Gott in die Schuhe, die alten Römer hingegen hatten ihre Probleme mit Asterix und Obelix sowie Miraculix’ Zaubertrank.
An der Art und Weise mit Irrtümern und Fehlern umzugehen, hat sich über die Jahre nichts geändert. Rein gar nichts. Auch heute tendieren wir doch dazu, die „Anderen®“ in die Verantwortung zu ziehen. Ab sofort nenne ich diese These süffisant „Prokrastination des Irrtums“!
Aber jede These wird früher oder später in seinen Grundfesten erschüttert; in diesem Fall früher. Nämlich meistens dann, wenn sich herausstellt, dass man für irgend jemanden auf dieser Erde immer zu den Anderen® gehört.
Nun stehen sich zwei Parteien, zwei Verfechter des Meinungs-Dualismus gegenüber.
An diesem Punkt beginnt Polemik, Eklektizismus und vor allem eines: Dialoge mit abgedroschenen Phrasen, die zu nichts führen.
Aus diesem Grund hat sich die Menschheit auch seit der Steinzeit nicht geändert. Früher war’s der Steinkeil, heute die Atombombe.
Wir haben in all den Jahren eine Kultur der Fehler entwickelt, eine Kultur, in der Fehler machen falsch ist, eine Kultur, in der es als oberstes Gebot gilt, andere auf ihre Fehler hinzuweisen. Irrtümer werden zum Damoklesschwert der Gesellschaft und sobald dessen scharfe Klinge den letzten Geduldsfaden der Menschen zerstört hat, vollführt die einstige Diskussionskultur die finale Metamorphose zur Streitkultur.
Tun wir also, wie es sich für das machtlose Proletariat gehört: Trinken wir ein Bier und vergessen das Ganze…
Das Korrigieren von Irrtümern hat schon lange nicht mehr seine ursprüngliche Funktion auf semantische Fehler hinzuweisen. Es ist nur noch politisches Mittel Halbwahrheiten durchzusetzen. Der Irrtum hat seine semiotische Bedeutung, die gedankliche Bezugsgrösse verloren und wurde zu einem „was mir nicht passt“.
Gibt es heute einen ähnlich grossen Irrtum, wie die Vorstellung der Welt als Platte? Ja! Der grösste Irrtum ist, zu glauben, dass es so etwas wie Irrtümer überhaupt noch gibt. Richtig ist heute, was der Gemeinschaft dient. Res publica, könnte man sagen. Früher war die Bibel richtig – heute haben wir die Übersicht über die uns indoktrinierenden Dinge schon lange verloren. Ist das nun richtig oder falsch?
Egal: Wer interessiert sich schon für die Wahrheit? Hauptsache, man hat Recht!
Solid-solidarische Solitüde
Januar 6, 2009
„Was alle angeht, können nur alle lösen.“ Für mich ein Satz, der Sinnbild für unsere Zeit ist. Ein Sinnbild unserer Zeit, die, geprägt von ewigem Herummirren, von Ratlosigkeit, in sich selber versinkt. Und nur ein Buchstabe fehlt von <Ratlosigkeit> zur <Rastlosigkeit>. Wir sind nämlich rastlos ratlos.
Wir irren geradezu zielstrebig umher, auch wenn das auf den ersten Blick paradox klingen mag. Doch Paradoxa bestehen nur so lange, wie man sich in ihrem scheinbaren Wesen wähnt.
„Unverständliche Widersprüche“, nennt man sie. Selbst Paradoxa aber können so klar werden wie ein neuer Spiegel. Dazu reicht ein Solcher allein allerdings nicht. Man sollte nämlich in den Spiegel hineinsehen und sich darin erkennen. Oder man sollte zumindest einen Blick riskieren.
Ich schaue gerne in den Spiegel, immer wieder. Jedes Mal erkenne ich mich neu. Und deshalb will ich zuerst versuchen, dieses Paradoxon zu entwirren. Zielstrebiges Umherirren. Als Solidargemeinschaft machen wir es uns zur Aufgabe, gemeinsam, Probleme zu lösen. Das ist der „Weg“. Das Ergebnis dieser Lösung ist das „Ziel“. Genau da beginnt auch unser Problem. Ich zitiere wohl viele Philosophen, wenn ich sage, dass es nicht das Problem ist, dass wir reden, sondern, dass wir uns nicht verstehen!
Wir reden, ja. Wir reden viel. Das klingt ähnlich wie „fiel“ und zweifellos hat die Geschichte gezeigt: „Wer nur redete und nicht verstand, der fiel.“ Kurz gesagt: Wir reden übers Lösen, aber was wir lösen, wo sich unser genaues Ziel befindet, weiss die Gemeinschaft nicht. Nur einzelne Partein, Personen wissen, wo sie hin wollen. Und das äusserst zielstrebig.
Als logisches Resultat dessen haben wir eben diese „zielstrebig umherirrende“ Gemeinschaft, die nicht gewillt ist, ihre Ziele klar zu formulieren. An klare, nicht euphemistisch reingewaschene Ziele ist nicht zu denken, geschweige denn an Kompromisse. So wird das ganze Gemeinwesen zu einem ganz gemeinen Wesen,, das sich viele kleine Fiesheiten leistet, weil es nicht bereit ist, sich zurückzunehmen.
Transparenz? Nicht mehr ersichtlich oder durchschaubar. Sie wird einem ungeheuer, ja, sie beginnt zu stinken. Transparenz wird unweigerlich zu Transpiranz.
Diese dunkle Suppe, Brühe vermischt sich. Es kommt zu Doppelmoral, die genauso glitschig, schwer zu greifen ist wie ihr fischiger Freund und Verwandter.
Resümieren wir darum kurz: Wir haben eine trübe, irgendwie konglomerateske Masse namens Gemeinschaft, ohne nennenswerte oder erreichbare Ziele, intrigant und unnachgiebig.
Schauen wir uns nochmals den Ausgangssatz an: „Was alle angeht, können nur alle lösen“
Nun fragen wir uns ob der gewonnenen Erkenntnis der Schwammigkeit Folgendes:
- Was lösen wir? Das „Integrationsproblem der Ausländer“ oder das Problem, dass überhaupt Ausländer existieren? Niemand weiss das so recht, oder zumindest formuliert das keiner öffentlich. In der Regel.
- Wer sind alle? Das Gros der Leute oder doch diese, die viel Geld besitzen und zu allem Überdruss noch in den Räten darüber bestimmen?
- Was ist angehen? Positiv oder negativ konnotiert? Und in welchem Fall geht das dann alle an? Und welche alle?
- Was heisst können? Heisst „können“ <<Die Fähigkeit zu etwas haben>> oder schlichtweg <<aufgrund von eigenen Präferenzen wollen, oder eben nicht>>
- „Nur“ bezieht sich dann zynischerweise wieder auf alle.
- Lösen? Heisst das, Probleme an der Wurzel zu packen oder diese weg- oder im Kriegsfall umzumähen, bis alles Unkraut wieder zu wachsen beginnt?
Fragen über Fragen. Sagt mir eine Person, die dieses Rätsel in seiner Gesamtheit zu lösen vermag. Ich bin nämlich am Ende meines Lateins angelangt.
Wie wollen wir lösen, wenn wir nicht einmal verstehen wollen?
Wir sind nicht solidarisch solid. Sondern solid solitüd.
Der Rentner-Panzer
November 11, 2008
Jeder von uns hat die schreckliche Grausamkeit von Rentnern schon erlebt.
Ein Wunder eigentlich, dass der abtretende Präsident der USA, Herr Feldbusch, diese abgrundtief üblen Vertreter der Achse des Bösen noch nicht zu einer besonders gefährlichen Art der Massenvernichtungswaffen erklärt hat.
Generell gelten Rentner als grösste Bedrohung nach Popstars-Choreographien, Musikantenstadl-Besucher und den ominösen Mit-Handy-Musikhörern . Letztere sind ja bei Pendlern besonders gern gesehen. Doch ich bin mir sicher – Rentner stehlen allen die Show.
Im Zug sind sie zwar eher selten anzutreffen, aber sobald man noch kurz durch die Bahnhofsmigros hetzen will um sich ein Gipfeli zu schnappen bevor das tägliche Einerlei beginnt, stellen sie sich einem mit brachialer Rüstigkeit in den Weg.
Dabei greifen sie nicht selten zu Kampfstäben mit fies scheuernden Gummienden um den armen Pendler zu stoppen um sich den grauen Alltag abseits von SVP-Stammtischen und kleinen, langweiligen Hunden etwas aufzupeppen.
Doch seit einiger Zeit scheint diese Technologie den Renters of Doom nicht mehr zu genügen.
Ein neues Kriegsgerät erobert zunehmend die überfüllten Plätze der Welt! Der Rentnerpanzer!
Das sind diese uns allseits bekannten Allzweck-Folter-Haubitzen-Dinger, mit denen man hervorragend Katzen, Kinder und Banker über- und anfahren kann. Beliebt ist auch die Taschenreisser-Zermürbungstechnik. Haben Sie schon mal in einem zum Bersten gefüllten Bahnhof Stadelhofen eine kaputte Tasche und tausend Stifte aufgesammelt?
Nein? Wenn Sie eine suizidale Ader haben, begeben sie sich in eine Fussgängerzone, denn dort präsentieren sich die Rentnerpanzer gleich NATO-Truppen im Kosovo. Schnell, leise und tödlich.
Dabei bedienen sie sich der üblichen Evolutionstheorietaktik nach Darwin. Survival of the fittest. Wobei „the fittest“ nicht die Rentner meint – Denn Rentner passen niemandem, geschweige denn der AHV (besonders wenn ihr Alter über der Lebenserwartung liegt). Auch sind sie nicht fit oder stark, aber das erklärt sich ganz von selbst.
Wir befinden uns also irgendwo auf einem überfüllten Platz irgendwo in einer Stadt, wo zur Rush-Hour viel los ist. Also eigentlich überall.
Sie stehen mitten in dieser geradezu animalischen Menge und hören von hinten dieses traumatische, surrende Geräusch eines Elektrowägelchens. Wie gelähmt bleiben Sie stehen, die Pupillen weiten sich… Ein dumpfes Pochen. Ein gellender Schrei. Und der Fuss ist gebrochen! Hurra!
Der Attentäter verschwindet indes agil wie eine Raubkatze mitten in der Menschenmenge, die etwa soviel Zivilcourage besitzt wie ein Dackel, der zu viel Sherry getrunken hat. Nämlich gar keine.
Sie schleppen ihren tauben Körper also Richtung Apotheke, als in der Sonne plötzlich ein Gummigriff aufblitzt, sich zwischen Ihre Füsse stellt und Sie abermals zu Fall bringt. Diabolisches, nahezu grössenwahnsinniges Gelächter schallt Ihnen entgegen und aufs neue Mal fühlen Sie sich von Ihren menschlichen Mitbürgern im Stich gelassen… Doch mal ehrlich: Was sollte Unsereins, der gemeine Fussgänger, gegen diese Ausgeburt der Bitterkeit ausrichten? Wir würden doch dem blutrünstigen Treiben ebenso zum Opfer fallen wie Ameisen den kleinen, sadistischen Kinder – Meine Theorie lautet überdies, dass eben diese Kinder einmal zu Rentner werden. Alle anderen sterben verfrüht.
Begreifen Sie nun endlich diese ausweglose Situation? Nennen Sie mich ruhig paranoid… Aber… Die Rentner… Sie sind überall! Hilfeeeeeeeee!